Der „Gossauer-Otter“ auf dem Kilimanjaro – dem höchsten Berg Afrikas (5’892m ü. M.)

Reisebericht von Mario Cometti, Grüt b. Gossau/ZH, Teilnehmer des Kilimanjaro-Trekking's vom November 2003 mit Kaufmann-Trekking, Brunnen.
(Erklärung: Der „Gossauer-Otter“ ist das Wappentier meiner Wohngemeinde Gossau/ZH)

Am Sonntag, 2. November 2003 war es soweit, das Projekt „Kilimanjaro“ wurde nun definitiv und unwiderruflich in die Tat umgesetzt: Tagwache um 0400h bei Cometti’s im Grüt, Nach dem letzten schweizer Yogurt, nach dem letzten „Huskafi“, hiess es Gepäck ins Auto und ab Richtung Flughafen Zürich-Kloten.
Gemäss Reiseprogramm von Trekkingveranstalter Hanspeter Kaufmann begab ich mich zur Bye-Bye Bar im Terminal B, wo ich die anderen 13 Trekker traf, welche ich zum Teil an unserem Orientierungshöck im August kennengelernt hatte. Es waren dies Andreas Baumgartner aus Zürich; Verena Blumenstein Seuzi; Anja Ebnöther aus Genf; Albert Gisler aus Altdorf; Markus Haldimann aus Uetendorf; Victor Näf aus Melchnau; René Ryser aus Uetendorf; Maria und Meinrad. Schnüriger aus Kastanienbaum; Markus Seiler aus Worb; Ernst Staehlin aus Basel; Isabelle Stump aus Goldau und unsere Führerin Caroline Krop Kaufmann aus Brunnen, seit kurzem verheiratete mit Hanspeter Kaufmann und gebürtige Holländerin.

Das Gepäck wurde eingecheckt, die Flugtickets verteilt und schon bald verabschiedete sich Hanspeter von uns und übergab das Kommando definitiv an seine frisch angetraute Ehefrau und Partnerin Caroline Krop Kaufmann, welche die nächsten Tage für uns verantwortlich war. Eine Holländerin als Führerin auf den Kilimanjaro, ja, das kann ja heiter werden.

Schon bald sassen wir 13 Trecker plus Führerin Caroline in der KLM-Maschine KL1952 und auf ging’s, zuerst mal nordwärts nach Amsterdam; und ab dort mit KL567 wieder südwärts nach Afrika.

Kurz nach der „Überquerung“ des Äquators, mein erster Kontakt mit der südlichen Halbkugel war Tatsache geworden, wurde der Kilimanjaro-Airport in Tanzania angeflogen. Dieser Landeplatz für die meisten Kilitouristen liegt zwischen den Städten Arusha und Moshi, nur wenig südlich des Äquators.

Schon bald nach der Landung, die Zollabfertigung verlief reibungslos, wurden wir von den einheimischen Kaumann-Partnern begrüsst und zum Shuttlebus vor dem Flugplatzgebäude geführt. Bus war hier wohl für unsere Begriffe nicht unbedingt die richtige Bezeichnung. Es war für mich vielmehr ein Vehikel, welches mich an ein militärisches Transportmittel, eine Mischung von Lastwagen, Schützenpanzer und Mannschaftswagen erinnerte.

Nachdem alles Gepäck auf dem Dach dieses eben speziellen Vehikels geladen, mit einer wasserdichten und schweren Plane zugedeckt und wir alle aufgesessen waren, ging es los, nord- bzw. westwärts via Moshi nach Marangu.

Unterwegs wurde auf Geheiss unserer „Führerin“ Caroline ein scheinbar ungeplanter Halt veranlasst. Der Grund: war, dass wir von diesem Standort aus, mit Hilfe des Mondscheinlichts ein erstes Male unser Ferienziel ausmachen konnten. In der Ferne war deutlich die weisse Gipfelkappe des Kilimanjaros in der afrikanischen Dunkelheit zu erkennen.

Markus Seiler, ein ehemaliger Flugingenieur (wie wir aber erst später in Erfahrung bringen konnten) erklärte uns bei dieser Gelegenheit, wo wir am Sternenhimmel das Sternbild „Kreuz des Südens“ erkennen konnten. Dies ist sozusagen der Polarstern der südlichen Halbkugel bzw. das „Kreuz des Südens“ gibt die Südrichtung an. Dies ist gemeinhin das einzige Sternbild der südlichen Himmelskuppel, welches – wenn überhaupt - den Bewohnern der Nordhalbkugel unseres Planeten bekannt ist.

„Wer es nicht gesehen hat, für den ist es Sinnbild des Fernen, Traumhaften unserer südlichen Erde. Wer es sah, dem mögen die vier hell funkelnden Sterne inmitten des reinen südlichen Nachthimmels für immer im Gedächtnis bleiben“. (Maria Schmidt, Astronomin Deutschland).


Weiter ging die holprige Fahrt durch das nächtliche Afrika, durch die kaum beleuchtete Landschaft bis nach Marangu. Nach rund 1 ½ h Fahrt, es war inzwischen ca. 2300h Ortszeit, passierten wir das Eingangstor zu unserem Hotel „Marangu Hotel“.
Zur Begrüssung stand bereits Suppe, Tee und Kaffe bereit. Etwas in den Magen, ja, das tat gut nach dieser doch langen Reise. Zum Glück ist die Zeitverschiebung nur gerade 2 Stunden, so ist we-nigstens dieser Teil der Reise mehr oder weniger einfachst zu verkraften.
Es folgte die Zimmerverteilung, Schlüsselabgabe und schon bald legten wir uns für unsere erste afrikanische Nacht zur Ruhe – ein langer Tag ging so um rund Mitternacht endlich zu Ende.

Ausschnitt aus www.maranguhotel.com:
„The hotel takes its name from the surrounding area. "Marangu" means "full of water" in the local Chagga language, and the lush green surroundings demonstrate the truth of this.
The central hotel building was once a farm house, built in the early 1900s, and is of a charming, old world style. This is a family-run business, with the consequent attention to detail one expects.
Guest accommodation is provided in cottages around the grounds. The cottages are of varied style, and each has its own character. Several cottages have integral central sitting rooms, which are popular with small groups travelling together. All rooms have private bathrooms with bath or shower.”


Erst am nächsten Morgen, es war Montag, der 3. November 2003, sahen wir, in welch herrlicher Umgebung wir hier „gelandet“ waren. Ein erster Blick aus dem Fenster zeigte mir, dass wir uns hier in einer sehr schönen Hotelanlage befinden. Viel Grün, viele Blumen und farbige Bäume. Ebenfalls die verschiedenen und vielfältigen Tierstimmen, welche von aussen in das Zimmer drangen, sagten mir, dass ich mich hier in einer besonderen Gegend befinden muss.
Nach einer Dusche mit frischem und warmen Wasser war ich dann endgültig wach und bereit, mich zum Frühstückstisch zu begeben. Alle Kolleginnen und Kollegen unserer Gruppe hatten die erste afrikanische Nacht ebenfalls bestens hinter sich gebracht, sahen mehr oder weniger auch ausgeruht aus und genossen das vielseitige Frühstück in vollen Zügen: Serials, Eier in allen Zubereitungsformen, Brot, Kaffee, Tee und viele, viele Früchte.
Nach dem Frühstück gab es die ersten Anweisungen von Gruppenführerin Caroline. Der heutige Tag gilt gemäss Programm eigentlich als Ruhe- und Angewöhnungstag. Trotzdem aber wollen wir ja den Tag nicht einfach so verschlafen und mit Nichtstun über die Runde bringen. So werden wir heute zuerst nach Marangu fahren und dort eine Schule besuchen. Anschliessend steht der Besuch des grossen und vielseitigen Dorfmarktes auf dem Programm. Schlussendlich werden wir unter kundiger Führung eines einheimischen Führers zu Fuss vom Dorf zum Hotel zurückspazieren.

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Bald schon ging es also los, mit 2 Geländefahrzeugen in Richtung Dorf bzw. der Schule von Marangu. Dort angekommen, wurden wir erst mal über die Schule orientiert. So zeigte uns die Schulleiterin eine grosse Schiefertafel, welche vor dem Schuloffice, ausserhalb, angebracht war und wo mit Kreide die Anwesenheiten bzw. Abwesenheiten aller Schüler über alle Schulklassen geschrieben stand.
Wir besuchten nach dieser kurzen Einführung drei unterschiedliche Klassen, wo wir jeweils herzlich von den Schülern empfangen wurden. In der Abschlussklasse wurde uns sogar das Tanzanialied vorgetragen, welches von den Schülern in mehr oder weniger strammer Körperhaltung gesungen wurde.
Nach einigen Fotos und der Verabschiedung durch die Schulleiterin ging es zurück in das Dorfzentrum von Marangu


Wieder im Dorfzentrum angelangt, verabschiedeten wir uns von unseren Jeep-Drivern, wurden in zwei Gruppen mit je einem örtlichen Führer eingeteilt und ab ging’s in das Gedränge des grossen Marktes.
Unser Führer erklärte uns, dass dieser Mark hier auf diesem grossen Platz, mitten im Dorf, mehrmals in der Woche abgehalten wird. Es werden neben Bananen, Tomaten, Zwiebeln und getrockneter Fisch auch Kleider, farbige Stoffe und Küchenartikel verkauft. Wir erfuhren auch, dass hier drei Arten von Bananen gehandelt werden, nämlich die Banane zum Essen, wie wir das ja auch kennen, die Koch-Banane für die Küche und diejenige Banane, welche für die Herstellung des einheimischen Bananenbieres verwendet wird.
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Nach dem Rundgang durch den Markt begaben wir uns auf den Heimweg zum Hotel. Dieser Weg führte uns durch das eigentliche Wohngebiet der einheimischen Bevölkerung. Dieses Gebiet wird v.a. von Bananenbäumen und Kaffeesträuchern beherrscht. Die sehr einfachen Behausungen der Leute hier werden aus Mörtel, Holz, Erde und Kuhfladen gebaut und sind für unsere Verhältnisse „kaum bewohnbar“ eingerichtet.
So konnten wir freundlicher-weise auch einen Blick in die Behausung unseres örtlichen Führers werfen (siehe Abbildung links).

Die Familie unseres Führers lebt in zwei sehr einfachen Häusern. In einem der Häuser wohnen die Kinder, ist die Küche untergebracht und unter dem gleichen Dach leben auch 3 Rinder. Das zweite Gebäude wird von den Eltern bewohnt und besteht aus nur zwei ebenfalls sehr einfachen Räumen. Wasser gibt es nur vor dem Haus, Elektrizität gibt es überhaupt nicht.

Bald schon erreichten wir wieder unser Hotel. Von ausruhen war aber überhaupt nicht die Rede, Packen war angesagt. Wir mussten nun unsere total drei Gepäckeinheiten bereitstellen: Einmal war dies unser eigentlicher Trekking-Tagesrucksack, unser effektives Trekkingmaterial und ein Gepäckstück, welches im Hotel zurück blieb (Safari-, Bade- und Heimreisekleider).

Im Tagesrucksack werden alle unsere persönlichen Dinge verstaut, welche je nach Situation während des Tages gebraucht und von jedem von uns sofort selbst behändigt werden müssen (Regenschutz, Sonnencreme, Ersatzwäsche, Mittagslunch, pers. Esswaren, Fotoausrüstung usw.). Das effektive Trekkingmaterial, ebenfalls separat verpackt und tagsüber vom persönlichen Träger getragen und ausser Reichweite, enthält z.B. Schlafsack, Reservewäsche, Reserveschuhe, Nachtutensilien, Winterkleider für die Gipfeletappe usw. Das dritte Gepäckstück, welches im Hotel unter Verschluss eingestellt wird, enthält alles jene Material, welches für das eigentliche Trekking nicht benötigt wird (Badehose, Strandkleider, Nach-Haus-Kleider usw.).

Neben dem Packen genossen wir aber auch noch den grossen Hotel Park und die Sonne, ich schrieb meine ersten Karten, Fotos wurden geschossen und immer wieder schweiften unsere Blicke auf den in der Ferne sichtbaren Kibogipfel. Jeder von uns stellte sich immer wieder die Frage: Schaffe ich den Gipfel – oder?

Schon neigte sich der erste „afrikanische Tag“ dem Ende entgegen und wir gehorchten dem Tagebefehl von Caroline und fanden uns im Speisesaal für das Nachtessen ein. Es war so quasi das Abschiedsessen aus der Zivilisation, es war aber was uns da angeboten war auch zugleich fast ein Festessen.

Nach dem Essen trafen wir uns alle noch zum Schlummertrunk in der englisch angehauchten Teestube. Nach und nach verschwanden alle ab zum Schlafen, unsere vorläufig letzte Nacht in einem normalen Bett. Leider war aber alles andere als guter Schlaf angesagt. Nein, es war nicht die Vor-Unruhe, welche uns vom Schlaf abhielt, es war ein heftiges Gewitter mit fast monsunartigem Regenguss. Es haute nieder wie aus grossen Kübeln. Der Blick aus dem Fenster liess nicht Gutes erahnen: Welche trüben und v.a. feuchten Aussichten auf unseren morgigen Starttag. So um Mitternacht konnte auch ich endlich einnicken und den nötigen Schlaf finden.



Mit dem eher ungemütlichen, elektronischen Weckruf meiner Uhr begann der Dienstag, 04. November 2003, der nun endgültige Count-Down meines Kili-Abenteuers wurde in Gang gesetzt. In vollen Zügen genoss ich die letzte warme Dusche in vollen Zügen. Zum Glück wusste ich von meinen Nepalerfahrungen, was speziell in Sache Dusche, Wasser und Waschen so auf mich zukam – und erstaunlicherweise erschütterte mich dies überhaupt nicht!

Beim Frühstück war eine gewisse Spannung und Nervosität echt spürbar. Während und nach dem Frühstück gab es die letzten Instruktionen von Caroline. Es hiess nun, die Zimmer zu leeren, alles Gepäck an die verlangten Orte zu bringen und die Zimmerschlüssel im Hoteloffice abzugeben.

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Der nächste Treffpunkt der Gruppe war nun just vor der Rezeption. Schon bald war die ganze Gruppe anwesend und harrte der Dinge die nun kommen mussten. Als erstes wurde uns von Caroline unsere Träger- und Küchenmannschaft vorgestellt – total 31 Personen. Diese doch nicht kleine Mannschaft wird uns die nächsten 6 Tage „am Berg“ begleiten, versorgen und für das allgemeine Wohl unserer Gruppe besorgt sein. Chefführer dieser Gruppe ist Valerian, welcher uns auch als eigentlicher Bergführer zur Seite stand.
Ganz speziell wurde jedem von uns der persönliche Träger vorgestellt, welcher für die kommenden Tage für das persönliche Material verantwortlich ist. Mit einem Handschlag begrüsste jeder von uns seinen persönlichen Träger. Leider aber können die wenigstens so gut Englisch, dass sich ein Gespräch entwickeln konnte – eigentlich schade.

Nach der Verteilung des ersten Kili-Lunchpaket’s, drei unserer Kollegen fassten noch die speziellen Kibo-Wanderstöcke, ging’s schon bald zu den bereitstehenden zwei Geländefahrzeugen, welche uns in einer ca. 20 Min. dauernden Fahrt quer durch das Dorf Marangu zum Parkeingang (1’970 m) des Kilimanjaro Nationalparks transportierten.

Hier wurden von Caroline die letzten administrative Formalitäten für unsere Gruppe verlangt, auch mussten die Parkgebühren entrichtet werde. Zudem musste jeder von uns Trekker sich selbst im grossen „Park-Eintrittsbuch“ mit Name, Beruf, woher, Alter usw. eintragen.


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Endlich, endlich ging’s dann los. Mit der Passierung des Marangu-Gate’s waren wir endgültig auf dem Weg zum Kilimanjarogipfel unterwegs. Caroline gab nochmals die ganz klare Weisung durch, dass sie immer an der Spitze ist, dass das Überholen nur für das Austreten oder Fotografieren erlaubt sei. Ein weiteres grosses Staunen, ja sogar Raunen, löste in der Gruppe das Tempo aus, welches Caroline nun anschlug. Allerdings von Tempo konnte keine Rede sein, es war so quasi ein Prozessionsgang. Caroline setze das Pole – Pole mehr als nur 1 : 1 um. Was einige von uns - ehrlich gesagt - anfänglich fast ein wenig belächelten, stellte sich aber bis zum Ende des Trekks als DAS Erfolgsrezept unseres Gipfelerfolges heraus – aber davon später.

Zu erwähnen ist noch, dass es eine Vielzahl von Möglichkeiten bzw. Wege gibt, den Kilimanjaro zu besteigen. Der aber wohl einfachste und auch populärste Weg ist die von „Kaufmann-Trekking“ gewählte Marangu-Route. Diese Normalroute verlangt keinerlei bergsteigerische Qualitäten oder Erfahrungen und kann im Normalfall von jedem gut trainierten, konditionell starken und gesunden Wanderer bestiegen werden.



1. Etappe
Die 1. Etappe führte uns vom Parkeingang, dem Mandara-Gate (1’970m), durch den Regenwald zu den Mandara-Hütten (2’725m), ca. 10 km, ca. 4 ½ Std. Marschzeit.
Der Bau dieser Zeltdachhütten wurden von der norwegischen Regierung als Entwicklungshilfe finanziert. Es sind dies für die Touristen 5 Hütten für je 8 Personen und eine grosse Hütte mit Essraum für rund 50 Personen sowie im oberen Stock ein Schlafraum für rund 24 Personen.
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Kaum angekommen werden die Zimmer verteilt, die Zimmer bezogen, trockene und wärmere Kleider angezogen und schon geht’s nochmals los auf eine kurze, abendliche Rundwanderung zum Maundi-Krater (2’775m ü.M.). Diese ca. 1 Stunde dauernde Sonnenuntergangswanderung rundete den heuti-gen ersten Trekkingtag ab.

Nach einem üppigen Nachtessen, zubereitet von unserer eigenen Küchen-Crew, verweilten wir noch eine kurze Zeit im Haupthaus. Schon bald aber hiess es Zähneputzen und ab in den Schlafsack, hat-ten wir doch am nächsten Tag die zweite, etwas längere Etappe, zu den Horombo-Hütten vor uns.



2. Etappe (Mittwoch, 5. November 2003)
Das Aufstehen an diesem Morgen war alles andere als angenehm: Es Regnete und war feucht wie in einer Waschküche - wie es sich halt am Rande des Regenwaldes so gehört. Die Frage war nur, hält der Regen an oder hörte es bis zu unserem Start zur 2. Etappe auf. Die Kili-Götter hatten erbarmen mit uns und just zu unserem Abmarsch war der Regenfall zu Ende und auch waren wider die ersten Flecken blauer Himmel auszumachen.

Wir bewegen uns nun aus dem Regenwald in die Heide- oder Hochheidelandschaft oder man könnte auch sagen, dass wir uns in die alpine Savanne begeben. Leicht ansteigend durchwandern wir nun eine Heidelandschaft. Und......plötzlich erhebt sich der mächtige Kibogipfel vor uns, und seine Schnee-und Eisflanken werden von den Strahlen der Sonne beleuchtet. (Jahrelang schenkte man den Schilderungen der Missionare keinen Glauben und zweifelte an ihrem Verstand.) Ein überwältigender Anblick!

Gegen Abend, nach rund 15 km und einer Marschzeit von etwas mehr als 6 Std, erreichten wir unser Tagesziel die Horombo-Hütten (3’780m), ebenfalls in Form von norwegischen Zeltdachhütten gebaut.
Wir werden von unseren Trägern und unserer Küchenmannschaft mit Tee, Guetzli und PopKorn im Haupthaus der Horombo-Hüten begrüsst. Wir geniessen alle das Sitzen und ausruhen nach unserer zweiten Etappe und werden uns langsam bewusst, dass wir schon die Höhe von über 3’700m erreicht haben.
Caroline orientiert über die Zimmerbelegung und verteilt auch gleich die Schlüssel. Schon bald suchen wir unsere Hütten auf, das Gepäck liegt bereits vor den Türen und es kann „eingezogen“ werde.


Unmittelbar in der Nähe der Horombo-Hütte entdecke ich das nur am Kili vorkommende äusserst interessante Riesenkreuzkraut (Riesensenecien). Diese baumartige – oder doch nicht? – Pflanze kann eine Höhe von einigen Metern erreichen und wird nur alle 50 - 70 Jahre während der Bildung eines neuen Schösslings blühen.

Nach einem wiederum tollen Trekking-Tag, nach einem vielseitigen Nachtessen, ging der Tag langsam aber sicher zu Ende und alle legten sich zur wohlverdienten Nachtruhe nieder.
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3. Etappe (Donnerstag. 6. November 2003)
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Die 3. Etappe war als Ruhe- und Akklimatisierungstag vorgesehen. Der heutige Anklimatisierungstag ist wichtig und kann für den Gipfelerfolg entscheidend sein. Das Ziel ist es, dem Körper die ungewohnte Höhe „schmackhaft“ zu machen. Aufsteigen und wieder auf die Höhe der letzten ohne Probleme verbrachten Nacht abzusteigen beeinflusst die Akklimatisation des Körpers positiv.

Wir wanderten in Richtung des Mawenzis bzw. zum Mawenzi-Sattel (4’345m) und erreichten so zum ersten Male auf unserer Tour die 4’000er Höhe. Nach dem Mittagslunch in vulkanischer Landschaft, mit einem gewaltigen Ausblick auf den Kilimanjaro, kehrten wir nach 5 Stunden Marschzeit, ca. 10 km Wegstrecke, wieder zurück zu den Horombo-Hütten (3’780m) und verbrachten eine zweite Nacht in den gemütlichen Zeltdach-Häuschen - auf wiederum der gleichen Meereshöhe.



4. Etappe (Freitag, 7. November 2003)
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Von den Horombo Hütten (3’780m) zur Kibo-Hütte (4’750 m), 14 km, ca. 6 ¾ Stunden.

Nach einer ruhigen Nacht und einem reichlichen Frühstück brechen wir gegen 8 Uhr auf. Die Vegetation wird immer spärlicher und hört dann ganz auf - immerhin haben wir nun die 4'000 m erreicht und schon überschritten. Wir passieren auch schon die letzte Wasserstelle (Last Water Point) und kurze Zeit später sind wir in der "Mondlandschaft" zwischen dem Kibo und seinem etwas niedrigeren Pendant, dem Mawenzi. Die "Mondlandschaft", welche wir gestern vom Mawenzi-Sattel aus in der ganzen Grösse und Ausdehnung von Weitem bestaunt haben.

Gegen Abend erreichen wir die auf 4’780m gelegene Kibo-Hütte, der Ausgangspunkt zur Gipfeletap-pe. In dieser als Steinhaus gebauten Hütte, nicht unbedingt sehr einladend, gibt es ein kleines Ess-zimmer und eine Anzahl von Schlafräumen mit Kajütenbetten für total rund 60 Personen. Es gibt hier keine fliessendes Wasser mehr: Die Toilettenanlagen liegen ca. 100m hinter der Hütte im Südwesten und sind für diese Lage recht komfortabel und auch sauber.


In der Kibo-Hütte ist es eher kalt. Manche Leute haben hier die ersten gesundheitliche Probleme (Kreislauf-und Atembeschwerden, Kopfweh). In unserer Gruppe macht sich aber glücklicherweise nur bei 1,2... Personen Kopfweh bemerkbar. Caroline verteilt die ersten Kopfwehtabletten, versichert uns aber, dass dies alles andere als Besorgniserregend ist – alles normal in dieser Höhe.

Nach dem einmal mehr bestens zubereiteten Nachtessen und „überwachtem“ Teetrinken von mind. drei Bechern ist ab 1900h befohlene Nachtruhe für alle. Wir möchten ja um 0130h die Gipfeletappe in Angriff nehmen. Leider spüre ich die Auswirkungen der drei Becher Tee die ganze Nacht: Viermal ist der Besuch der Toilette angesagt – oder ist es die Nervosität auf den Gipfelsturm?

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5. Etappe - Gipfeletappe (Samstag, 8. November 2003)

Die Gipfeletappe – es kam wie es kommen musste: Tagwache 0100h, Abmarsch um 0130h und die anspruchsvolle Gipfeletappe wurde in Angriff genommen: Etwas mehr als 1’000 Höhenmeter auf einer Distanz von weniger als 4 km bis zum Vorgipfel, dem Gilman's Point (5’680m), lagen vor uns.

Die Aufstiegsspur beginnt gleich unmittelbar hinter der Kibo-Hütte. Das erste Teilstück führt uns zu der Höhle Hans Meyer. Hier wird von Caroline der erste Halt „befohlen“. Es wird getrunken, einige Powerriegel werden auch schon verzerrt und trotz grosser Anstrengung fallen auch einige Worte.

Weiter geht’s in engen Serpentinen in der frisch (leicht) verschneiten Lavahalde nach oben dem „Gilman’s-Point“ entgegen – wie gesagt, rund 1000m Höhenmeter.

Die Spitzengruppe, wir haben uns inzwischen in mehrere Leistungs-gruppen und Grüppchen verteilt, erreicht nach etwas mehr als 5 Stunden den „Gilman’s-Point“ auf 5’685m. Alle 14 Personen unserer Gruppe erreichten den Gilman’s Point zwischen 0845h und 0930h – eine tolle Leistung.
Aber damit noch nicht genug. Nach einem kurzen Halt geht’s weiter zum Hauptgipfel, dem „Uhuru-Peak“, mit 5’892m der höchsten Punkt Afrikas. Ebenfalls die ganze Gruppe erreicht rund 2 Stunden später den Hauptgipfel - eine riesige Freude kommt hoch, ja, es fliessen sogar Freudentränen.

Leider ist das Aussichtswetter nicht unbedingt so prachtvoll wie man sich das vorstellt, aber das ist zum jetzigen Zeitpunkt eigentlich gar nicht so wichtig. Nicht sehr erstaunlich, wenn man weiss, dass nur gerade 20 - 30% aller Gipfelstürmer den Hauptgipfel tatsächlich auch erreichen – und dies auf der doch einfachsten alle Routen, der Mandara-Route.
Ebenfalls ist die Kälte (ca. 12 Minusgrade) nicht unbedingt angenehm. Auch macht sich bei einigen nun doch das Höhenkopfweh etwas bemerkbar.

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Nun folgte für mich ein sehr spezieller Gipfelakt: Für einmal hatte ich nicht eine Flasche Gipfel-Wein mit auf den Gipfel getragen, nein, das ist auf dieser Höhe nicht zu empfehlen. Ich hatte in meinem Rucksack die Gemeindefahne von meiner Wohngemeinde Gossau / ZH mitgetragen. Trotz heftigem Wind konnte ich die Fahne mit Hilfe einiger Mitgipfelstürmer entfalten - und das Gipfelfoto mit dem Gossauer-Otter wurde Tatsache.
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Nach dem „Gilmans-Point“ geht’s sogar sehr schnell abwärts. Wir sind zu sechst an der Spitze und folgen Valerian unserem Hauptführer und bewältigen den grössten Teil im Lavageröll mit "abfahren".

Der Gipfelhalt fällt eher etwas kurz aus und nach einigen Gipfel-Bildern (bei allen scheinen die Foto-Apparate nicht eingefroren zu sein und die Batterien halten glücklicherweise auch durch) machen wir uns wieder auf den Rückweg, der wie sich herausstellt, wesentlich einfacher und angenehmer ist.

Dies ist eine Fortbewegungsart im feinen Geröll (fast Sand), welche mich fast ein wenig an eine Skiabfahrt erinnert. So erreichen wir schon bald wieder die Kibo-Hütte (4’750m), unseren Ausgangspunkt kurz nach Mitternacht in der vergangenen Nacht.

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Nach dem Umziehen, einer kurzen Erholungspause und dem Mittagessen geht’s weiter wieder durch die „Mondlandschaft“ in ca. 5 Stunden zu den Horombo-Hütten, wo wir die letzte Nacht am Berg verbringen.

Dieser Tag wird wohl für alle unvergesslich und für immer in bester Erinnerung bleiben. Nicht zuletzt auch wegen der Leistung, welche wir alle an diesem Tag absolviert haben:
Rund 30 km in rund 14 Std effektiver Marschzeit und total gute 3’000 Höhenmeter wurden zurückgelegt – da darf sicher jeder etwas stolz auf sich sein!

In besonderer Erinnerung bleiben wird dieser Gipfeltag aber für unseren Kollegen Rene: Wer kann den schon seinen 40-igsten Geburtstag auf dem Gipfel des Kilimanjaros feiern bzw. erleben - feiern war ja nicht gerade angesagt. Herzliche Gratulation nachträglich nochmals.



6. Etappe (Sonntag, 9. November 2003)

Von den Horombo-Hütten (3’780m) zurück zum Parkeingang (1’970 m), 25 km, ca. 6 ½ Std., anschliessend Rückkehr ins Marangu-Hotel.

Der Rest ist nun schnell erzählt. Müde, aber mit dem Erfolgserlebnis unseres Sieges über den Kibo geht’s nun mit grossen Schritten stetig abwärts und dem Parkeingang entgegen. Immer wieder wird stehengeblieben und der Blick geht zurück zum langsam aber sicher entschwindenden Kilimanjaro.

Auf dem gleichen Weg erreichen wir gegen Mittag den Parkeingang, wo sich jeder von uns zuerst wieder aus dem Eintritts-Buch „austragen“ muss.

Wir besteigen „mit letzter“ Kraft die bereitstehenden Jeeps und fahren auf direktem Wege zurück zum Hotel – und alle sind gedanklich wohl schon bald am Duschen.

Im Hotel angekommen ist aber noch kein sofortiges Duschen angesagt. Zuerst wird nun das bereitstehende Trekkinggepäck wie auch das im Hotel zurückgebliebene Restgepäck gefasst. Wir haben kurz Zeit um das Gepäck im neu zugeteilten Zimmer zu deponieren, evtl. an die Trägermannschaft abzugebende Kleidungsstücke auszusortieren und schon ist wieder Treffpunkt im Hotelgarten.

Unsere Trägermannschaft trifft auch schon wieder ein und Caroline beginnt mit der Verabschiedungszeremonie. Zuerst werden die Trinkgelder ausgezahlt, dann wird uns von den 31 Helfern das Kilimanjarolied vorgetragen und weiter geht’s mit dem Abschiedshandschlag von uns allen an alle Helfer. Zu guter Letzt werden wir noch eingeladen zu einer Degustation des einheimischen Bananenbieres. Wir fragen uns allerdings, was dieses Getränkt mit Bier zu tun hat? Wir ordnen dieses Getränk eher der Kategorie „Suure Most“ zu.

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Und nun war es auch für uns soweit: Das Wasser wurde „freigeschalten“, es konnte geduscht werden!

Unser „Sieg über den Kibo“ wurde selbstverständlich bis spät in die Nacht gefeiert. Zu fünft harrten wir in der Hemingway-Bar bis zum bitteren Ende aus und konnten uns erst so gegen 0400h vom Kilimanjaro-, Kibo- und Tusker-Bier lösen.

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Bild vergrössern Ich möchte ganz zum Schluss noch folgende Dankeschön aussprechen. Nur dank bester Beratung und Organisation wurde für mich das Kilimanjaroabenteuer auch Wirklichkeit.

Mein Dank geht an Kaufmann-Trekking und speziell an unsere Führerin Caroline, für die tolle Organi-sation und Führung vor Ort; mein Dank geht an die Gossauer Dorfapotheke (Herr Dr. Chr. Timeus) für die kompetente reisemedizinische Beratung - und mein Dank geht auch an die Crew im Sport Trend Shop STS, Hinwil, für die Beratung hinsichtlich Ausrüstung und Material.




Und nun wirklich ganz zum Abschluss noch etwas Statistik über unsere Leistung am Berg:

Total ca. 9'000 Höhenmeter
Total ca. 90 km Marschstrecke
Total ca. 42 Stunden effektive Marschzeit


(Mario Cometti, Grüt (Vers. 01.03.2004)




Höhenprofile
(erstellt und mit Bewilligung von Max Graber, Kili Trekking Frühjahr 2003)

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Kilimanjaro – Steckbrief des höchsten Bergs in Afrikas